
Die BYD-Aktie steht aktuell im Spannungsfeld zwischen steigenden EU-Zöllen, verzögerten Produktionsaufbauten in Europa und einem Rekord-Export aus China. Während der Kurs um 2,6 % auf 8,91 Euro gefallen ist und damit deutlich unter den gleitenden Durchschnitten liegt, zeigen die Zahlen aus dem August einen beachtlichen Auslandsabsatz. Anleger und Branchenbeobachter benötigen deshalb präzise Daten zu Zollsätzen, Werkkapazitäten und Exportvolumen, um die zukünftige Kursentwicklung fundiert einschätzen zu können.
EU-Ausgleichszölle: Konkrete Belastungen für BYD
Die Europäische Kommission hat mit der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 am 30. Oktober 2024 definitive Gegenmaßnahmen gegen Subventionen chinesischer Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV) beschlossen. Für BYD gilt ein individueller Antidumping- bzw. Ausgleichszoll von 17,0 %. Dieser wird auf den regulären Einfuhrzoll von 10,0 % aufgeschlagen, sodass die Gesamtabgabe an der EU-Außengrenze 27,0 % beträgt.
- EU-Ausgleichszoll BYD: 17,0 % (gültig 5 Jahre)
- Regulärer EU-Einfuhrzoll für Kraftfahrzeuge: 10,0 %
- Effektiver Gesamteinfuhrzoll für BYD: 27,0 %
Im Vergleich zu Konkurrenten wie SAIC (35,3 % Gesamtabgabe) ist BYD zwar besser gestellt, jedoch bleibt der Margendruck hoch, solange die Produktion nicht zollfrei im Binnenmarkt erfolgt.
„Die Sorge der Marktteilnehmer vor den Brüsseler Handelsbeschlüssen basiert auf handfesten Zahlen: Seit der EU-Verordnung 2024/2754 müssen chinesische BYD-Elektroautos bei der Einfuhr in die Europäische Union einen individuellen Ausgleichszoll von 17,0 % entrichten (Europäische Kommission 2024). Zusammen mit dem Standardsatz von 10,0 % schlägt der Import mit insgesamt 27,0 % zu Buche.“
Europäische Produktionsoffensive: Szeged-Werk und Türkei-Projekt
Um die Zollbelastung zu umgehen, baut BYD ein erstes europäisches Pkw-Werk in Szeged, Ungarn. Das Werk soll im Vollausbau eine Jahreskapazität von 200.000 bis 300.000 Fahrzeugen erreichen. Ursprünglich für Ende 2025 geplant, wurde die Serienmontage jedoch auf das vierte Quartal 2026 verschoben. Das erste Modell, Dolphin Surf, wird dann in Serie gehen.
- Geplanter Serienstart Szeged: Q4 2026 (statt Ende 2025)
- Zielkapazität: 200.000 Einheiten/Jahr (Vollausbau)
- Erstes Modell: Dolphin Surf
Parallel dazu wurde das Milliarden-Projekt eines Werks in der Türkei vorläufig pausiert, um Ressourcen auf den ungarischen Standort zu konzentrieren.
Exportrekord und Auslandsabsatz: BYD kompensiert Inlandsprobleme
Im August 2026 exportierte BYD 189.466 Fahrzeuge – ein neuer Monatsrekord, der einem Anstieg von 134,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Rekord verdeutlicht, wie das Unternehmen den schwächelnden Heimatmarkt, der im gleichen Zeitraum um 16,1 % rückläufig war, durch verstärkte Exportaktivitäten ausgleicht. Das Management hat das Jahresziel für den Auslandsabsatz auf 1,9 bis 2,0 Millionen NEV-Einheiten erhöht.
- Auslandsauslieferungen August 2026: 189.466 Fahrzeuge
- Jahresziel Auslandsabsatz 2026: 1,9 – 2,0 Mio. Einheiten
Der Vorstand betont, dass die globale Expansion ein Schlüssel zur Stabilisierung der Gesamtbilanz sei, während der chinesische Markt durch aggressive Rabattkriege belastet wird.
Marktreaktionen und Kursentwicklung der BYD-Aktie
Am 25. September fiel die BYD-Aktie um 2,6 % auf 8,91 Euro. Damit liegt sie rund 13 % unter dem 200-Tage-Durchschnitt (GD200) und 7,8 % unter dem 100-Tage-Durchschnitt (GD100). Analysten bewerten die Aktie jedoch deutlich höher und setzen Kursziele von mindestens 14 Euro.
„Die Notierungen sind um 2,6 % gefallen und haben einen Kurs von 8,91 Euro erreicht. Damit sind alle Trendpfeile sozusagen nach unten gedreht.“
Die Kombination aus Margendruck durch Zölle, verzögerten Produktionsstandorten und gleichzeitig starkem Export schafft ein gemischtes Bild: Kurzfristig belastet, langfristig aber mit Potenzial für Kursgewinne, sofern die europäischen Werke schneller hochgefahren werden.
Risiken und Gegenmaßnahmen: Zukünftige Zollsätze und Kostenstruktur
Weitere Risiken ergeben sich aus möglichen Zollverschärfungen bei Plug-in-Hybriden (PHEV). BYD vertreibt in Europa bereits zahlreiche Hybridmodelle, die derzeit nur dem 10-Prozent-Regelzoll unterliegen. Sollte die EU zusätzliche Schutzzölle einführen, würde dies die Gesamtabgabe weiter erhöhen.
Zusätzlich belasten höhere Lohn-, Energie- und Beschaffungskosten in Ungarn die historisch günstige Kostenstruktur von BYD, die im Vergleich zu Festland-China deutlich höher ausfällt. Diese Faktoren verringern den Margenvorteil, den das Unternehmen bislang genossen hat.
Schnellüberblick:
Wie hoch sind die EU-Zölle auf importierte BYD-Elektroautos genau?
Seit Inkrafttreten der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 am 30. Oktober 2024 erhebt die EU einen individuellen Ausgleichszoll von 17,0 % auf reine Stromer von BYD. Zusammen mit dem regulären Einfuhrzoll von 10,0 % beträgt die gesamte Zollbelastung 27,0 %.
Wann rollen die ersten BYD-Fahrzeuge „Made in Europe“ vom Band?
Im Werk Szeged (Ungarn) starteten Anfang 2026 Testläufe. Die reguläre Serienproduktion des Modells Dolphin Surf wird nach Verzögerungen im vierten Quartal 2026 erwartet. Das geplante Milliardenwerk in der Türkei wurde zugunsten des ungarischen Standorts vorerst gestoppt.
Quellen
- https://trade.ec.europa.eu/access-to-markets/en/news/eu-commission-imposes-countervailing-duties-imports-battery-electric-vehicles-bevs-china
- https://cnevpost.com/2026/09/24/byd-europe-share-doubles-hybrids-target/
- https://www.reuters.com/business/autos-transportation/byd-hungary-plant-start-production-late-2026-executive-says-2026-06-09/







