
Die jüngsten Befragungen von BearingPoint und der Europäischen Zentralbank zeigen ein deutliches Stabilitätsgefälle in der DACH-Region. Während Gold und staatliche Währungen nach wie vor als sichere Häfen gelten, bleibt die Akzeptanz von Kryptowährungen als Inflationsschutz gering. Gleichzeitig steigt das Interesse an digitalem Zentralbankgeld (CBDC). Für Kreditinstitute bedeutet dies, dass ein einheitliches Produkt- oder Beratungsmodell kaum funktioniert – regionale Unterschiede, regulatorische Vorgaben und das niedrige Anlagevolumen privater Krypto-Investoren müssen berücksichtigt werden.
Krypto-Nutzung im DACH-Vergleich
Die YouGov-Umfrage im Auftrag von BearingPoint (2026) erfasst die gelegentliche Nutzung von Kryptowährungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Deutschland mit 11 % deutlich hinter Österreich (18 %) und der Schweiz (23 %) zurückbleibt.
- Deutschland: 11 % der Befragten nutzen Krypto zumindest gelegentlich.
- Österreich: 18 %.
- Schweiz: 23 %.
Demographische Faktoren prägen die Nutzung: Unter den 18- bis 24-jährigen verwendet etwa jeder Dritte Krypto, während Männer deutlich häufiger als Frauen zu dieser Anlageklasse greifen (Deutschland: 15 % Männer vs. 6 % Frauen).
Vertrauen in traditionelle Wertspeicher versus Kryptowährungen
Die BearingPoint-Erhebung (2026) liefert klare Zahlen zum Inflationsschutz-Vertrauen:
- Gold wird von rund zwei Dritteln der Befragten als wirksamer Inflationsschutz eingeschätzt (DE 64 %, AT 65 %, CH 64 %).
- Kryptowährungen erhalten wesentlich weniger Vertrauen (DE 18 %, AT 19 %, CH 24 %).
“Kryptowährungen fungieren für den Großteil der Anleger somit primär als renditeorientierte, spekulative Beimischung, nicht als Wertaufbewahrungsmittel”, heißt es im Bericht von BearingPoint.
Regulatorische Treiber der Schweizer Vorreiterrolle
Die überdurchschnittliche Akzeptanz in der Schweiz ist nicht nur kulturell bedingt, sondern wird durch klare gesetzliche Rahmenbedingungen unterstützt:
- 2021: Inkrafttreten des Schweizer DLT-Gesetzes – schafft Rechtssicherheit für Krypto-Verwahrung und tokenisierte Wertpapiere.
- Dezember 2024: Vollständige Anwendbarkeit der EU-Verordnung MiCAR – reguliert Krypto-Dienstleister und Stablecoins im Euroraum.
Durch diese frühzeitige Gesetzgebung konnten Schweizer Banken schneller Krypto-Angebote integrieren als ihre deutschen und österreichischen Pendants.
Digitales Zentralbankgeld – höheres Interesse als private Krypto-Assets
Das Interesse an CBDC übertrifft die Nutzung privater Kryptowährungen deutlich. Laut BearingPoint-Umfrage zeigen sich folgende Interesse-Werte:
- Deutschland: 29 %.
- Österreich: 38 %.
- Schweiz: 44 %.
Gleichzeitig betont die Studie, dass ein hohes Interesse nicht automatisch in breitere Nutzung im Zahlungsverkehr mündet – Debitkarten und Bargeld dominieren nach wie vor.
Strategische Implikationen für Kreditinstitute
Für Banken ergeben sich konkrete Handlungsfelder:
- Aufklärung und Vertrauensaufbau: In Deutschland ist ein stärkerer Fokus auf Finanzbildung und transparente Risikodarstellung nötig.
- Regulatorische Compliance: MiCAR-Lizenzen, KYC/AML und Verwahrinfrastrukturen verursachen hohen Aufwand bei relativ geringen Krypto-Volumina (mehr als 50 % der Euroraum-Krypto-Bestände liegen unter 1.000 Euro).
- Segmentierte Produktangebote: Statt einer Pauschallösung sollten Banken maßgeschneiderte Services für unterschiedliche Kundengruppen (z. B. junge, digitale Affinität besitzende Kunden vs. konservative Sparer) entwickeln.
- Integration von CBDC: Die wachsende Nachfrage nach digitalen Zentralbankwährungen erfordert technische Schnittstellen und klare Strategien für Einlagen- und Liquiditätsmanagement.
- Kooperationen und Ökosysteme: Die Schweizer Erfahrung mit dem “Crypto Valley” zeigt, dass enge Zusammenarbeit von Banken, FinTechs und Regulierungsbehörden Innovationsgeschwindigkeit erhöht.
Schnellüberblick:
Warum liegt die Schweiz bei der Krypto-Akzeptanz im DACH-Raum an der Spitze?
“Die Schweiz etablierte mit dem 2021 in Kraft getretenen DLT-Gesetz frühzeitig verlässliche Rahmenbedingungen, baute im ‘Crypto Valley’ Zug ein dichtes Ökosystem auf und integrierte Krypto-Verwahrung rascher in das institutionelle Bankensystem als Deutschland und Österreich.”
Werden Kryptowährungen im DACH-Raum bereits als Inflationsschutz wahrgenommen?
“Nein, laut BearingPoint trauen nur 18 % der Deutschen, 19 % der Österreicher und 24 % der Schweizer Krypto-Assets einen wirksamen Inflationsschutz zu. Gold (jeweils 64-65 %) und staatliche Währungen bleiben die unangefochtenen Stabilitätsanker.”
Was unterscheidet das Interesse an CBDCs von dem an Krypto-Assets?
“Digitales Zentralbankgeld (wie der digitale Euro oder digitale Franken) stößt mit bis zu 44 % auf deutlich breiteres Interesse, weil es staatliche Einlagensicherheit und Preisstabilität mit digitaler Zahlungsabwicklung verbindet, ohne die Kursschwankungen privater Coins aufzuweisen.”







