
Goldanleger stehen vor einem Spannungsfeld: Während kurzfristig steigende Energiekosten, ein stärkerer US-Dollar und hohe US-Staatsanleiherenditen den Preis bei rund 4.140 US-Dollar je Feinunze belasten, bilden anhaltende Zentralbankkäufe sowie institutionelle Preisunterstützungen um die 4.000 US-Dollar-Marke ein solides Fundament für weitere Kursgewinne bis 2027.
Kurzfristiger Gegenwind: Energiepreise, US-Zinsen und Dollarstärke
Bloomberg berichtet von Ölpreisen nahe einem Fünf-Monats-Hoch, die Inflationssorgen befeuern und die Erwartung weiterer US-Zinserhöhungen stärken. Reuters bestätigt, dass ein stärkerer US-Dollar und steigende Renditen amerikanischer Staatsanleihen den Goldmarkt belasten. Der gestrige Schlusskurs von 4.138,95 USD je Feinunze zeigte eine Tagesveränderung von -0,7 %.
Die bevorstehende Fed-Sitzung am 27.-28. Oktober ist ein weiterer Auslöser: Nach einer Leitzinserhöhung im September bleibt der weitere Straffungspfad unklar, wobei anhaltende Inflationssorgen das Risiko eines günstigen Zinsumfelds für Gold erhöhen.
Zentralbankkäufe als strukturelle Stütze
Goldminster Goldman Sachs schätzt die weltweiten Zentralbankkäufe im August 2026 auf 79 Tonnen, während der World Gold Council (WGC) offizielle Nettokäufe von 39 Tonnen meldete. Die Diskrepanz entsteht durch unterschiedliche Datengrundlagen: Goldman Sachs nutzt ein Nowcasting-Modell, das auch inoffizielle und verzögerte Transaktionen berücksichtigt.
Die kumulierten offiziellen Nettokäufe von Januar bis August 2026 betragen 170 Tonnen. Die wichtigsten Käufer sind:
- People’s Bank of China – 20 Tonnen (22. Monat in Serie)
- Nationalbank Polens – 8 Tonnen (98 Tonnen YTD, größter institutioneller Käufer in West-Europa)
- Usbekistan – 8 Tonnen
Gegenüber dem historischen Monatsdurchschnitt vor 2022 von 17 Tonnen pro Monat (Goldman Sachs) übertrifft das aktuelle Volumen das Vorkrisenniveau um das Vierfache, was laut Piggott (Metals Focus) einem “stabilen Boden um 4.000 USD” zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht.
Historische Rally und Prognosen von Metals Focus
Metals-Focus-Direktor Matthew Piggott ordnet die aktuelle Konsolidierung nach einer Rekord-Rally von 44 % im Jahr 2025 ein – die stärkste Jahressteigerung seit 1980. Er betont: “Gold legte 2025 um 44 % zu, das stärkste Jahr seit 1980.”
Die Preisprognosen lauten:
- Durchschnittspreis 2026: 4.600 USD/oz (etwa +16 % zum bisherigen Jahresdurchschnitt)
- Durchschnittspreis 2027: 5.330 USD/oz
- Q4 2027: 5.600 USD/oz
Piggott fügt hinzu: “Eine robuste Auffanglinie liegt bei rund 4.000 USD je Feinunze, denn institutionelle Anleger bauen dort wieder vermehrt Positionen auf.”
Risiken und Gegenbewegungen: Nettoverkäufe und Kapitalkonkurrenz
Die Zentralbanknachfrage ist nicht homogen. Im August meldete die WGC Nettoverkäufe von Russland (-6 Tonnen) und Jordanien (-3 Tonnen). Diese Verkäufe zeigen, dass Liquiditäts- und Haushaltsbedarfe die Nachfrage dämpfen können.
Zusätzlich erhöhen hohe US-Staatsanleiherenditen die Opportunitätskosten für physisches Gold, wodurch Privatanleger und ETF-Investoren mit Neuinvestitionen zögern. Die Konkurrenz durch renditestarke Anlagen bleibt ein wesentlicher Gegenfaktor für die Goldnachfrage.
Schnellüberblick:
Warum unterscheiden sich die Zentralbankdaten von Goldman Sachs und dem World Gold Council so deutlich?
Der World Gold Council erfasst primär zeitnah gemeldete offizielle IWF- und Notenbankstatistiken (39 t im August). Goldman Sachs nutzt ein Nowcasting-Modell, das auch unveröffentlichte Käufe und physische Handelsströme einbezieht, was zu einer Schätzung von 79 t führt.
Welche Notenbanken treiben die Goldkäufe aktuell am stärksten an?
Im August 2026 führte die People’s Bank of China mit 20 Tonnen, gefolgt von der Nationalbank Polens und Usbekistan mit jeweils 8 Tonnen. Polen ist mit 98 Tonnen YTD größter Käufer in der westlichen Welt.
Auf welchem Niveau erwarten Analysten die nächste signifikante Unterstützung?
Laut Metals Focus liegt die robuste Unterstützungszone bei etwa 4.000 USD je Feinunze, weil institutionelle Anleger dort vermehrt nachkaufen.
Quellen
- https://www.gold.org/goldhub/data/central-bank-gold-statistics
- https://www.tradingview.com/news/reuters.com,2026-10-19:newsmlL8N3LW10E:0-central-bank-gold-purchasing-trend-remains-strong-through-august-goldman-sachs-says/
- https://www.kitco.com/news/article/2026-10-19/golds-path-6000-and-silvers-return-above-90-depend-renewed-investor-confidence






