
Am 27. Oktober 2026 eröffnet die Deutsche Börse Group erstmals einen durchgängigen 24-Stunden-Handel für alle 40 DAX-Aktien. Über das Multilaterale Handelssystem (MTF) 360X können Privat- und institutionelle Anleger in Europa rund um die Uhr und am Wochenende kaufen und verkaufen. Das neue Angebot reagiert auf die wachsende Nachfrage junger, digital-affiner Investoren und stellt einen klaren Schritt in Richtung eines globalen, rund-um-die-Uhr-Marktes dar.
24/7-Handel über die Plattform 360X – Kernfakten
Der Handel in den Nacht- und Wochenendstunden erfolgt nicht über das klassische Xetra-Orderbuch, sondern über ein Request-for-Quote-Modell (RfQ) auf dem MTF 360X. Die Post-Trade-Abwicklung läuft nahtlos über bestehende Clearstream-Konten, sodass reguläre DAX-ISINs ohne zusätzlichen Aufwand verarbeitet werden.
- Startdatum: 27. Oktober 2026
- Handelsinstrumente: alle 40 DAX-Blue-Chip-Aktien
- Handelsmodell: RfQ-basiertes MTF (360X)
- Post-Trade: Clearstream-Konten
- Kein Einfluss auf Eröffnungsauktionen oder Xetra-Eröffnungskurse
“Die Deutsche Börse Group hat das Ziel, die erste europäische Finanzmarktinfrastruktur zu sein, die ein 24/7-Angebot für klassische Blue-Chip-Aktien ermöglicht”, erklärt Eric Leupold, Leiter Cash Market bei der Deutsche Börse Group.
Zielgruppe – Junge Anleger und Neobroker als treibende Kraft
Der Service wurde auf Nachfrage von Neobrokern wie Trade Republic und Degiro entwickelt, die in den letzten Jahren einen immer größeren Anteil am deutschen Cash-Markt erobert haben. Laut BVI-Bericht (Q3 2026) machten Neobroker bereits 17 % des deutschen Cash-Marktes aus, wobei das durchschnittliche Anlegeralter bei 26 Jahren liegt.
- Teilnehmeranteil Neobroker am Cash-Markt (2026): 17 %
- Durchschnittliches Anlegeralter (2026): 26 Jahre
- Treiber: digitale Erreichbarkeit, Algo-Handel, schnelle Reaktion auf globale Ereignisse
“Der 24/7-Handel ermöglicht es unseren Kunden, Risiken zu managen, wann immer sich die globalen Märkte bewegen”, betont Carlo Kölzer, Mitgründer von 360X und ehemaliger Gründer der Devisenhandelsplattform 360T.
Internationale Vorbilder und Wettbewerbsdruck
Im internationalen Vergleich nimmt die Deutsche Börse mit 360X eine Vorreiterrolle ein. Während die US-Rivalen Nasdaq und NYSE noch in der Umsetzungsphase sind, hat die NYSE bereits eine SEC-genehmigte Handelszeit von 22 Stunden pro Tag, die jedoch technisch noch nicht realisiert ist. Tokio war bereits 1993 Vorreiter mit einer 24-Stunden-Börsenfusion.
- Geplante NYSE-Arca-Handelsstunden (2026, genehmigt): 22 Std.
- Erste globale 24-Stunden-Börse: Tokyo, 1993
- Deutsche Börse: erstes europäisches 24/7-Angebot für Blue-Chip-Aktien
“Wir liegen damit der Wall-Street-Entwicklung voraus”, sagte Eric Leupold im Kontext des internationalen Wettbewerbs.
Regulative Grenzen: 360X als MTF, nicht als Börse
360X ist als Multilaterales Handelssystem (MTF) von BaFin und ESMA nach MiFID II reguliert. Diese Einstufung unterscheidet sich von Xetra, das als organisierte Börse strengeren Vorgaben unterliegt. Das MTF-Modell erlaubt flexiblere Handelszeiten, verlangt jedoch erhöhte Transparenz- und Preisangebots-Pflichten, insbesondere bei grenzüberschreitendem Handel.
- Regulierung 2026: MiFID II
- Aufsicht: BaFin & ESMA
- Unterschied zu Xetra: weniger strenge Kernhandelsregeln, dafür mehr Transparenzpflichten
Liquiditäts- und Spread-Risiken im Rund-um-die-Uhr-Handel
Der 24/7-Handel bringt neue Risiken mit sich. In Zeiten ohne globale Ereignisse könnte die Nachfrage schwinden, was zu einem geschrumpften Liquiditätspool führt. Zudem können internationale Marktstörungen – etwa ein Handelsstopp in Asien – die Preisbildung in den Nacht- und Wochenend-Sessions stark beeinflussen.
- Mangelnde Nachfrage und Skalierung der Liquidität: Geringere Handelsvolumina können zu breiteren Spreads führen.
- Abhängigkeit von internationalen Marktprozessen: Ereignisse außerhalb Europas können die Preisstabilität beeinflussen.
- Aktuell bereits größere Spreads in Abend- und Nachtstunden im Vergleich zum liquiden Xetra-Handel.
“Anleger müssen sich auf stärkere Kursausschläge einstellen, weil die Liquidität geringer ist”, warnt ein Branchenbeobachter im Capital-Artikel.
Schnellüberblick:
Für welche Anlegergruppe ist der 24/7-Handel primär relevant?
Der 24/7-Handel wurde vor allem für junge, digitale Anleger über Neobroker entwickelt, welche globale Marktbewegungen schnell reagieren möchten, besonders bei geopolitischen Ereignissen nachts oder am Wochenende.
Welche internationale Konkurrenz hat die Deutsche Börse bei dieser Innovation?
Internationale Börsen wie die NYSE oder Nasdaq haben ebenfalls Ambitionen, einen 24-Stunden-Handel einzuführen. Allerdings ist die Deutsche Börse 2026 bereits aktiv im Markt mit der 360X-Plattform.
Warum handelt die Deutsche Börse nicht einfach auf Xetra?
Xetra ist eine organisierte Börse mit regulierten Auktionen und klar definierten Handelszeiten. 360X hingegen ist ein MTF, das flexibler gestaltet werden kann und regulierte Handelszeiten erlaubt, ohne mit dem Kernhandel in Konflikt zu geraten.







