
Am 19. Oktober 2026 setzte The Trade Desk (TTD) den Ausübungspreis bereits bestehender Aktienoptionen für mehr als 2.300 Beschäftigte sowie für die Unternehmensführung auf 12,26 US-Dollar herab – ein Rückgang von bis zu 85 %. Der Schritt wurde von einem Sonderaktionärsvotum mit rund 441 Millionen Ja-Stimmen gegen 232 Millionen Nein-Stimmen beschlossen, obwohl fast 98 % der Ja-Stimmen aus den eigenen Super-Voting-Aktien von CEO Jeff Green stammten. Dieser Vorgang verdeutlicht, wie Dual-Class-Aktienstrukturen ein erhebliches Corporate-Governance-Risiko erzeugen können, weil Gründer- und Management-Mächte Entscheidungen durchsetzen können, denen 95 % der externen Aktionäre widersprechen.
Repricing von Optionen: Fakten und Zahlen
- Neuer Ausübungspreis nach Repricing: 12,26 USD (SEC-Form-8-K, 2026).
- Reduktion des ursprünglichen Preises um bis zu 85 % für mehr als 2.300 Beschäftigte.
- Betroffene Optionen umfassen rund 12 Millionen Aktien für das gesamte Personal.
- CEO Jeff Green profitierte von einer Anpassung von 1,618 Millionen Optionen, die zuvor Preise von 25,00 USD bis 74,90 USD aufwiesen.
- Zusätzliches Performance-Optionspaket für Green: 7 Millionen Optionen mit Ausübungspreis 14,97 USD, gebunden an Kursziele von 18 bis 105 USD.
Mitarbeiterbindung versus Kursverlust – Hintergründe der Maßnahme
Das Unternehmen begründete das Repricing damit, dass nach dem starken Kursrückgang viele Optionen “unter Wasser” lagen und damit keinen Anreiz mehr für die Belegschaft darstellten. Parallel dazu kündigte The Trade Desk im September einen Personalabbau von 15 % an. Die gleichzeitige Einführung einer Maßnahme, die den Wert von Optionen für die verbleibenden Mitarbeitenden wiederherstellt, sollte laut Management die Bindung wichtiger Talente sichern.
Aus Sicht der Anleger stellt sich jedoch die Frage, ob diese Strategie die Interessen aller Aktionäre gleichwertig berücksichtigt. Während die Belegschaft von einem niedrigeren Strike-Preis profitiert, erhalten externe Aktionäre keinen entsprechenden Ausgleich für den bereits erlittenen Wertverlust ihrer eigenen Anteile.
Unterschiedliche Hürden für die Führung
Die Repricing-Maßnahme betrifft nicht nur das allgemeine Personal, sondern auch die Unternehmensspitze. Laut SEC-Form-4-Meldungen wurden vier Tranchen von Jeff Green neu bewertet:
- Ursprüngliche Ausübungspreise: 25,00 USD, 49,24 USD, 61,46 USD und 74,90 USD.
- Alle Tranchen wurden auf 12,26 USD reduziert – ein Rückgang von rund 83,6 % für die höchste Tranche.
- Eine sechsmonatige Haltedauer (bis 19. April 2027) ist als Service Condition festgelegt; ein vorzeitiger Austritt führt zum Rückfall auf die alten Preise.
“Fast 98 % der Ja-Stimmen entfielen auf Greens eigene Supervoting-Aktien der Klasse B”, heißt es in internen Analysen. Das bedeutet, dass die Mehrheitsentscheidung praktisch allein durch Greens Stimmrechte getragen wurde.
Abstimmungsdynamik und Ausmaß des Governance-Konflikts
Bei der Sonderhauptversammlung wurden 441 097 211 Ja-Stimmen gegen 232 477 009 Nein-Stimmen gezählt. Ohne die 50,2 % Stimmrechtskontrolle von Greens Class-B-Aktien hätten etwa 95 % der freien Anteilseigner gegen das Repricing gestimmt – ein eindeutiges Misstrauensvotum institutioneller Investoren. Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Ungleichgewicht zwischen den Interessen des Managements und der breiten Aktionärsbasis.
Risiken und Gegenargumente aus Sicht der Aktionäre
- Asymmetrisches Risiko: Das Unternehmen schützt das Management vor den Folgen des Kursverfalls, während externe Aktionäre die Verluste tragen.
- Reputationsschaden für die Governance: Die Durchsetzung des Beschlusses gegen 95 % der freien Aktionäre kann das Vertrauen institutioneller Investoren nachhaltig schwächen.
- Potential für Overhang-Verwässerung: Zwar werden keine neuen Optionen ausgegeben, doch die Neubewertung reduziert den Anreiz für zukünftige Kurssteigerungen, weil die Optionen bereits stark rabattiert sind.
- Personalabbau und Anreizpolitik: Der gleichzeitige 15 %ige Stellenabbau wirft die Frage auf, ob das Unternehmen die langfristige Mitarbeitermotivation durch solche Finanzinstrumente wirklich stärkt.
Schnellüberblick:
Warum konnten die außenstehenden Aktionäre das Repricing trotz 95 % Ablehnung nicht verhindern?
Jeff Green kontrolliert über nicht börsennotierte Class-B-Aktien (“Supervoting Shares”) rund 50,2 % der Stimmrechte. Dadurch entfielen fast 98 % aller Ja-Stimmen auf sein eigenes Kontingent, sodass er die Mehrheit eigenhändig herbeiführen konnte.
Welche Bedingungen müssen Begünstigte erfüllen, um vom neuen Ausübungspreis zu profitieren?
Laut SEC-Filing gilt eine sechsmonatige Bindungsfrist: Wer vor dem 19. April 2027 das Unternehmen verlässt oder die Optionen vorzeitig ausübt, verliert den Rabatt – der Strike-Preis fällt dann auf das alte Niveau zurück.
Von welchem Niveau aus wurden die Optionen der Geschäftsführung gesenkt?
Wie die Pflichtmitteilung nach SEC Form 4 belegt, lagen Greens Tranchen ursprünglich bei 25,00 USD, 49,24 USD, 61,46 USD und in der Spitze bei 74,90 USD, bevor sie einheitlich auf 12,26 USD reduziert wurden.




