
Die Commerzbank befindet sich aktuell an mehreren Fronten, die für Anleger entscheidend sein können. Einerseits ruft die Gewerkschaft Verdi zu bundesweiten Warnstreiks im privaten Bankgewerbe auf, andererseits hat Barclays das Kursziel der Aktie von 42 auf 41 Euro gesenkt und die Gewichtung von “Overweight” auf “Equal Weight” herabgestuft. Zugleich hat die Europäische Zentralbank (EZB) der italienischen UniCredit die Erlaubnis erteilt, mehr als 30 % der Commerzbank-Anteile zu halten – ein Schritt, der jedoch noch von der europäischen Kartellbehörde geprüft werden muss. Diese Entwicklungen überschneiden sich mit der bevorstehenden Veröffentlichung der Q3-Bilanz und stellen das Zusammenspiel von operativer Profitabilität, steigenden Personalkosten und M&A-Strategien in den Fokus.
Tarifstreit bei den privaten Banken – Verdi fordert 6 % Gehaltserhöhung
Die aktuelle Tarifrunde betrifft rund 150 000 Beschäftigte des privaten Bankengewerbes. Verdi verlangt für diese Gruppe eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich sollen Nachwuchskräfte, also Auszubildende und junge Angestellte, monatlich 300 Euro mehr erhalten. Neben den Lohnforderungen fordert die Gewerkschaft Regelungen zu Künstlicher Intelligenz (KI) und mehr Arbeitszeitsouveränität, etwa die Möglichkeit, Teile des Entgelts in Freizeittage umzuwandeln.
- Gehaltsforderung: 6 % (12-Monats-Laufzeit) – 2026
- Zusätzliche Vergütung für Nachwuchskräfte: 300 € pro Monat – 2026
- Betroffene Beschäftigte: ca. 150 000 Personen – 2026
Der Arbeitgeberverband AGV Banken bewertet die Forderungen als überzogen, betont jedoch, dass er nicht mit erheblichen Störungen im operativen Tagesgeschäft rechnet. Stattdessen sehe man die eigentliche Belastung künftig vor allem in dauerhaft höheren Personalkosten.
Zitat von Verdi
“Wir fordern 6 % mehr Gehalt und mindestens 300 € mehr für Nachwuchskräfte, um die Zukunftsfähigkeit unserer Branche zu sichern”, heißt es in der offiziellen Forderungsübersicht der Gewerkschaft Verdi (2026).
Barclays senkt Kursziel – Warum die Zinsmargen unter Druck stehen
Am 22. Oktober 2026 hat die Analystin Paola Sabbione von Barclays das Kursziel der Commerzbank von 42 auf 41 Euro reduziert und die Gewichtung von “Overweight” auf “Equal Weight” herabgestuft. Der Grund dafür liegt laut Sabbione in einem verschärften Einlagenwettbewerb im deutschen Bankensektor, der das Zinsergebnis im dritten Quartal schwächer ausfallen lässt und das kurz- bis mittelfristige Kurspotenzial limitiert.
- Altes Kursziel: 42 €
- Neues Kursziel: 41 € – 2026
- Begründung: Intensiver Wettbewerb um Kundeneinlagen belastet Zinserträge
Die Analystin betont, dass der Einlagenwettbewerb die Dynamik der Zinsmargen verringert und damit die Profitabilität der Bank im Kern-Zinsgeschäft beeinträchtigen könnte.
Zitat von Paola Sabbione (Barclays)
“Der verschärfte Einlagenwettbewerb in Deutschland reduziert die Zinsertragsdynamik im Q3 und lässt das Kursziel vorerst auf 41 Euro sinken”, erklärt die Analystin (Barclays, 2026).
UniCredit über 30 % – Fortschritte und noch offene Hürden
Nach der Genehmigung der EZB kann die UniCredit nun über 30 % der Commerzbank-Anteile halten, ohne eine Obergrenze zu beachten. Durch Direktbestand, Derivate und ein mögliches Sommer-Tauschangebot erhält die italienische Großbank rechnerisch einen Stimmrechtsanteil von 49,65 % – ein signifikanter Schritt in Richtung Kontrolle. Allerdings steht die eigentliche Übernahme noch vor der fusionskontrollrechtlichen Freigabe der Europäischen Kommission sowie vor politischem Gegenwind aus Berlin, da Standortgarantien und Kündigungsschutz ebenfalls thematisiert werden.
- Erlaubnis der EZB für >30 % Beteiligung – 2026
- Potenzielle Stimmrechtsquote nach Vollzug: 49,65 % – 2026
Regulatorische und politische Hürden
Die EZB-Zustimmung ist kein Selbstläufer. Die Fusion muss noch von der Europäischen Kommission kartellrechtlich geprüft werden. Zusätzlich gibt es laut Analysten politischen Widerstand aus Berlin, der insbesondere Standortgarantien und den Schutz von Arbeitsplätzen betrifft.
Zitat der EZB-Entscheidung
“Die EZB hat die UniCredit den Überschritt der 30-Prozent-Schwelle ohne Obergrenze genehmigt”, lautet die offizielle Mitteilung (2026).
Schnellüberblick:
Was fordert die Gewerkschaft Verdi konkret in der aktuellen Tarifrunde?
Verdi fordert 6 % mehr Gehalt, 300 Euro monatlich mehr für Nachwuchskräfte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie Klauseln zu Beschäftigungssicherung und Umwandlungsmöglichkeiten von Gehalt in Urlaubstage.
Warum stufte Barclays die Commerzbank-Aktie herab?
Analystin Paola Sabbione sieht nach dem Kursanstieg kaum noch Spielraum und verweist auf einen intensivierten Einlagenwettbewerb in Deutschland, der die Zinsertragsdynamik im dritten Quartal bremst.
Bedeutet die EZB-Entscheidung bereits die Übernahme durch UniCredit?
Nein. Die EZB hat lediglich aufsichtsrechtlich erlaubt, mehr als 30 % der Anteile zu halten. Für eine tatsächliche Kontrollübernahme stehen weitere Prüfungen aus, unter anderem die Fusionskontrolle der EU-Kommission.





