
Im dritten Quartal 2026 erreichten die weltweiten Zuflüsse in physisch besicherte Gold-ETFs einen historischen Höchststand. Trotz der rekordartigen 31 Milliarden US-Dollar an Investitionen und einem physischen Bestandsaufbau von 211 Tonnen geriet der Goldpreis im September unter Druck – ausgelöst durch steigende US-Staatsanleiherenditen, einen stärkeren US-Dollar und spekulative Aktivitäten an den Terminmärkten. Der folgende Artikel beleuchtet die zusammenwirkenden Faktoren, analysiert die Daten aus CFTC- und World-Gold-Council-Berichten und wirft einen Blick auf die Prognosen und Risiken für die kommenden Quartale.
Rekordhafte Zuflüsse in physisch besicherte Gold-ETFs
Der World Gold Council (2026) dokumentierte für das dritte Quartal 2026 globale ETF-Zuflüsse in Höhe von 31 Milliarden US-Dollar, was einem Rekordwert für ein Quartal entspricht. Der physische Goldbestand, der dadurch aufgebaut wurde, erreichte 211 Tonnen – ein neuer Höchststand. Allein im September gingen 10 Milliarden US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs ein, wodurch der Gesamtbestand auf 4.256 Tonnen anstieg.
- Gesamte ETF-Zuflüsse Q3 2026: 31 Mrd USD
- Physischer Bestandszuwachs Q3 2026: 211 Tonnen
- September-Zuflüsse: 10 Mrd USD
- Rekordbestand weltweit: 4.256 Tonnen
Regionale Verteilung:
- Nordamerika: 11,7 Mrd USD im Q3
- Großbritannien: erheblicher Anteil, ebenfalls maßgeblich für das Gesamtergebnis
“Der World Gold Council verknüpfte den Preisrückgang im September zugleich mit höheren US-Renditen und einem stärkeren Dollar.” (World Gold Council, 2026)
US-Notenbankpolitik als Preisdruckfaktor
Die US-Federal-Open-Market-Committee-Sitzung (FOMC) am 28. Oktober stand im Fokus der Märkte. Bereits im Vorfeld der Entscheidung hatten steigende Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen den Goldpreis belastet. Ende September lag die Rendite bei 5,3 % – ein Anstieg von 53 Basispunkten im Monatsverlauf. Gleichzeitig betrug die US-Verbraucherpreisinflation (CPI) 3,7 % gegenüber dem Vorjahr, was die Erwartung einer weiteren Straffung der Geldpolitik schürte.
Reuters berichtete, dass “die Zinserwartungen geben den Takt vor” und dass ein schwächerer Dollar sowie niedrigere Anleiherenditen kurzfristig zu einer Erholung des Goldpreises geführt hätten, doch die grundsätzliche Unsicherheit über die nächste Zinsentscheidung wirkte weiterhin als Gegenwind.
- Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen (Ende Sep 2026): 5,3 %
- US-CPI (Sep 2026): 3,7 %
- FOMC-Entscheidung (28. Okt 2026): Beobachtungspunkt für die weitere Preisentwicklung
Die höhere Rendite erhöht die Opportunitätskosten einer zinslosen Anlage wie Gold und stärkt gleichzeitig den US-Dollar, beides belastet den Spotpreis.
Terminmarkt: COMEX-Positionen und Managed-Money-Aktivität
Der CFTC-Commitments-of-Traders-Bericht vom 13. Oktober 2026 zeigte, dass der gesamte Open Interest an der COMEX auf 396.345 Kontrakte gestiegen war (+1,7 % wöchentlich). Die Managed-Money-Gruppe reduzierte ihre Netto-Long-Positionen um 3,5 % auf 107.089 Kontrakte (nach einem Rückgang von 3.898 Kontrakten). Im Detail standen 124.747 Long- und 17.658 Short-Kontrakte bei Managed Money.
- Open Interest Gold-Futures (COMEX): 396.345 Kontrakte
- Long-Positionen Managed Money: 124.747 Kontrakte
- Short-Positionen Managed Money: 17.658 Kontrakte
- Netto-Long-Position Managed Money: 107.089 Kontrakte
Ein steigender Open Interest bei nachgebenden Notierungen signalisiert typischerweise den Aufbau kurzfristiger Short-Wetten, was den physischen ETF-Kaufdruck überstimmen kann.
Zukunftsprognosen und Risiken
Die Bank of America prognostizierte für das vierte Quartal 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.000 USD pro Unze. Für das Jahr 2027 werden Preisniveaus von bis zu 5.000 USD erwartet, wobei das erste Halbjahr bei 4.750 USD liegen soll.
Gegenmaßnahmen und Risiken:
- Dominanz des Terminmarkts: Spekulative Futures- und Spread-Positionen können kurzfristig ein Vielfaches der physischen ETF-Zuflüsse absorbieren.
- Zins- und Energiekosten-Risiko: Anhaltend hohe Energiepreise könnten die US-Kerninflation festigen und die Fed zu einer länger andauernden Straffung zwingen, was die Preisziele von 5.000 USD im Jahr 2027 gefährden könnte.
Die physische Nachfrage bleibt ein stabiles Fundament, jedoch ist die kurzfristige Preisrichtung eng mit den Entwicklungen am US-Zinsmarkt gekoppelt.
Schnellüberblick:
Warum sank der Goldpreis im September trotz Rekordzuflüssen in Gold-ETFs?
Weil der Zinsanstieg bei US-Staatsanleihen auf rund 5,3 % und ein stärkerer US-Dollar zu umfangreichen Auflösungen spekulativer Futures- und Spread-Positionen führten, die das physische Nachfragevolumen der Fonds übertrafen.
Welche Signalwirkung hat der Rückgang bei den CFTC Managed-Money-Positionen?
Er zeigt, dass spekulativ ausgerichtete Fondsmanager vor der Zinsentscheidung am 28. Oktober Risiken abbauen und Long-Wetten glattstellen, anstatt prozyklisch auf weitere Preisausbrüche zu setzen.
Quellen
- https://www.gold.org/goldhub/data/gold-etfs-holdings-and-flows/2026/09
- https://www.goldreporter.de/goldmarkt-neue-short-wetten-auffaellige-bewegung-an-der-comex/gold/116982/
- https://goldinvest.de/gold-etfs-31-milliarden-dollar-zufluss-trotz-kursrueckgang/
- https://www.boerse-online.de/nachrichten/rohstoffe/goldpreis-prognose-der-kurs-wird-bald-einbrechen-warnt-investmentbank-20367201.html





