
Goldmarkt steht im Fokus globaler Investoren, weil er in Zeiten hoher Inflation und geopolitischer Spannungen als sicherer Hafen gilt. Aktuell notierte die Feinunze am Freitag bei 4.021,30 US-Dollar, ein Tagesplus von 1,03 %. Trotz dieser Erholung liegt die monatliche Entwicklung bei minus 3,63 % und seit Jahresbeginn bei minus 7,19 %. Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark kurzfristige Ereignisse – von Ölpreisschocks bis zur Geldpolitik der US-Notenbank – den Goldpreis bewegen, während langfristige Ströme aus Zentralbankkäufen das Fundament der Preisentwicklung bilden.
Aktuelle Preisentwicklung und kurzfristige Treiber
Der jüngste Kursrückgang unter die psychologisch wichtige 4.000-Dollar-Marke wurde durch mehrere Faktoren ausgelöst:
- Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, inklusive eines Angriffs auf eine Ölanlage in Kuwait und Berichten über Zwischenfälle in der Straße von Hormus, ließ den Brent-Ölpreis über 90 USD pro Barrel steigen.
- Die US-Notenbank hält an einem hawkischen Kurs fest. Fed-Chef Kevin Warsh betonte, der Kampf gegen die Inflation sei „noch lange nicht vorbei“, und signalisierte keine Toleranz für dauerhaft erhöhte Inflation.
- Vize-Notenbankchef Jefferson und Dallas-Fed-Präsidentin Logan stellten weitere Zinserhöhungen in Aussicht, falls die Teuerung nicht abkühlt.
Diese Entwicklungen erhöhen den Preisdruck auf zinslose Anlagen wie Gold und erklären die Volatilität, die Analysten in der aktuellen Woche beobachteten.
Zentralbankkäufe weltweit – Rekordjahr 2022
Die Nachfrage von Zentralbanken nach Gold hat 2022 ein Rekordhoch erreicht. Laut World Gold Council betrugen die jährlichen Zentralbankkäufe 1.136 Tonnen – ein Anstieg von 10 % gegenüber 2021. Dieses Volumen stärkt die langfristige Preisstabilität und unterstreicht das anhaltende Interesse an Gold als strategischem Vermögenswert.
Die globalen Goldreserven der Zentralbanken werden auf geschätzte 35.000 Tonnen (Stand 2023) beziffert. Diese Zahl verdeutlicht, dass Gold nach wie vor als sicherer Hafen und Diversifikationsinstrument in den Währungsreserven weltweit verankert ist.
China als größter Käufer – 48 Tonnen im Mai
Im Mai 2023 kaufte China über den Londoner OTC-Markt rund 48 Tonnen Gold – fast das Fünffache der offiziell gemeldeten 10 Tonnen. Die People’s Bank of China hat ihre Kaufserie auf 20 aufeinanderfolgende Monate verlängert, die längste Kaufperiode seit über einem Jahrzehnt. Goldman Sachs schätzt, dass die monatlichen Zentralbankkäufe im laufenden Jahr bei etwa 50 Tonnen liegen werden und 2027 auf 40 Tonnen zurückgehen.
„Die People’s Bank of China hat durch ihre anhaltenden Käufe in den letzten 20 Monaten eine klare Richtung vorgegeben“, heißt es in den Analysen von World Gold Council (2023). Diese kontinuierlichen Käufe tragen entscheidend dazu bei, den Goldpreis langfristig zu stützen.
Prognosen und Marktmeinungen – Blick bis 2026
Goldman Sachs prognostiziert einen Goldpreis von 4.900 USD je Unze bis Ende 2026. Das Kursziel basiert auf der Annahme, dass die Zentralbanknachfrage, steigende Sorgen um Staatsschulden und die Diversifizierung von Währungsreserven vom US-Dollar weg den Markt weiter antreiben.
Bank of America teilt die langfristig bullische Sicht, obwohl 2026 als potenziell „verlorenes Jahr“ für Gold eingeschätzt wird. Die Analysten sehen die jüngste Korrektur als verbesserte Einstiegsbewertung.
In einer Kitco-Umfrage geben fast 79 % der befragten Wall-Street-Analysten für die kommende Handelswoche fallende Preise an. Die CPM Group empfiehlt eine Short-Position bei 3.980 USD, während die Rohstoffanalysten von ANZ die Unterstützungszone bei 3.800-4.000 USD verorten.
Risiken und Gegenkräfte – Volatilität und Inflation
Geopolitische Risiken, insbesondere die Spannungen im Nahen Osten, können zu plötzlichen Preisschwankungen führen und die Marktprognosen destabilisieren. Gleichzeitig beeinflusst die Inflation die Attraktivität von Gold im Vergleich zu zinstragenden Anlagen: steigende Inflation erhöht die Nachfrage nach Gold, während höhere Zinsen die Opportunitätskosten von Gold erhöhen.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt auf 14-Tage-Basis bei 40,6 – ein Hinweis darauf, dass der Markt weder stark überkauft noch stark überverkauft ist. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 USD (Januar 2026) beträgt aktuell 28,53 %.
Schnellüberblick:
Warum kaufen Zentralbanken Gold?
Zentralbanken kaufen Gold zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven und als Schutz gegen Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten.
Wie beeinflusst die US-Notenbank den Goldpreis?
Die Zinspolitik der US-Notenbank beeinflusst die Opportunitätskosten von Gold, was dessen Preis in Zeiten steigender Zinsen unter Druck setzen kann.
Wie hoch ist die aktuelle Jahresnachfrage der Zentralbanken?
Im Jahr 2022 betrugen die Zentralbankkäufe 1.136 Tonnen Gold, ein Anstieg von 10 % gegenüber dem Vorjahr.
Welche Prognose gibt Goldman Sachs für 2026?
Goldman Sachs sieht den Goldpreis bis Ende 2026 bei 4.900 USD je Unze.
Welche geopolitischen Ereignisse treiben die aktuelle Volatilität?
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran, Angriffe auf Ölanlagen und Raketenbeschuss in der Region haben die Ölpreise und damit indirekt den Goldpreis beeinflusst.






