
In einem Arbeitsmarkt, der von Fachkräftemangel, rasanten IT-Transformationen und demografischem Wandel geprägt ist, wird das Image von Arbeitgebern zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die deutschen Großbanken im DAX 40 kämpfen dabei trotz überdurchschnittlicher Gehälter mit einem schwachen Arbeitgeberimage, das ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.
Methodischer Hintergrund des Rankings (Caliber Stakeholder Intelligence)
Das Employer-Attractiveness-Ranking basiert auf den jährlichen Erhebungen der Reputation-Intelligence-Plattform Caliber. Die Daten werden durch eine kontinuierliche tägliche Befragung der deutschen Gesamtbevölkerung gewonnen – ein Stichprobenumfang von 59.000 Befragten im Jahr 2026 gewährleistet eine repräsentative Abbildung der breiten gesellschaftlichen Wahrnehmung. Die Ergebnisse werden auf einer normierten Skala von 0 bis 100 ermittelt und spiegeln Trust-, Like- und Attraktivitätswerte wider.
Wie Caliber selbst erklärt: „Der Wert für 2026 ist der Durchschnitt von Januar bis Juli und bezeichnet den Anteil der mit einem Unternehmen vertrauten Befragten, die es auf einer siebenstufigen Skala mit sechs oder sieben als möglichen Arbeitgeber bewerten.“
Das Gehaltsparadoxon – Hohe Vergütung kompensiert die Reputationslücke nicht
Laut dem aktuellen Gehaltsreport von kununu zahlen Banken im deutschen Branchenschnitt das höchste durchschnittliche Bruttojahresgehalt von 63.013 Euro (2026). Dieser Spitzenwert liegt vor allen anderen Wirtschaftszweigen, darunter Versicherungen und IT.
Dennoch belegen die Zahlen der Arbeitgeberattraktivität, dass Gehälter allein nicht ausreichen. Die Commerzbank erreicht lediglich 20 % und die Deutsche Bank 18 % im DAX-40-Ranking. Die Diskrepanz wird deutlich, wenn man die Aussage aus der Analyse berücksichtigt: „Tatsächlich erwägt nur jeder fünfte Befragte laut Caliber das Engagement bei der Commerzbank, was auf ein strukturelles Defizit in der emotionalen und inhaltlichen Aufladung der Arbeitgebermarke hindeutet.“
Prof. Dr. Christian Schneemann untermauert das Argument: „Geld heute nicht mehr der ausschlaggebende Faktor für Arbeitsplatzwahl unter jungen Fachkräften ist.“ Damit wird klar, dass neben monetären Anreizen Perspektiven, Unternehmenskultur und Zukunftssicherheit entscheidend sind.
Arbeitsmarktdivergenz im Bankensektor: Personalabbau versus Nachfolgedruck
Daten des Arbeitgebersverbands des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) zeigen, dass das Gesamtkreditgewerbe im Jahr 2024 leicht wuchs und 543.350 Beschäftigte zählte – ein Plus von 1,1 % gegenüber dem Vorjahr. Dieser Zuwachs resultiert vor allem aus Einstellungen in genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Instituten, um die bevorstehende Rentenwelle zu kompensieren.
Im Gegensatz dazu schrumpfte das Personal der privaten Großbanken und Bausparkassen um 0,7 % auf rund 154.600 Beschäftigte. Die anhaltenden Filialschließungen, Restrukturierungsprogramme und die beschleunigte Automatisierung durch KI vermitteln ein starkes Gefühl von Stellenunsicherheit, das die Arbeitgeberattraktivität weiter belastet.
Bekanntheit ist nicht das Problem
Die schwachen Attraktivitätswerte lassen sich nicht allein mit fehlender Bekanntheit erklären. Die Bekanntheitswerte liegen bei 47 % für die Commerzbank und 50 % für die Deutsche Bank – deutlich über dem DAX-Durchschnitt von rund 36 %.
Die Analyse verdeutlicht, dass Sichtbarkeit zwar vorhanden ist, aber nicht automatisch in eine Präferenz für den Arbeitgeber umschlägt. Wie Caliber feststellt: „Mehrere Spitzenreiter sind weniger bekannt. Sichtbarkeit führt somit nicht automatisch zu Arbeitgeberpräferenz.“
Internationaler Vergleich und Wettbewerbsdruck
Im internationalen Kontext zeigen US- und europäische Banken deutlich höhere Werte. US-Großbanken wie JPMorgan Chase (von 33 % auf 36 %) oder Citigroup (von 22 % auf 35 %) konnten seit 2025 ihr Ranking verbessern. In der Schweiz führt Swiss Re das Ranking mit 52 % an, während in Italien Banca Mediolanum 49 % erreicht.
Im Gegensatz dazu stagnieren die beiden deutschen Großbanken: Die Commerzbank fiel von 21 % auf 20 %, die Deutsche Bank blieb unverändert bei 18 %. Der Abstand zur Spitze (45 % bei Siemens Healthineers und Daimler Truck) beträgt somit 25 bis 27 Prozentpunkte.
Die Studie hebt außerdem hervor, dass Fusionen und Übernahmediskussionen – etwa die mögliche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit – zu akuter Unsicherheit über Arbeitsplätze führen und die Attraktivitätswerte weiter drücken.
Schnellüberblick:
Warum fallen deutsche Banken bei der Attraktivität zurück, obwohl sie Spitzengehälter zahlen?
Laut Arbeitsmarktuntersuchungen von kununu (2026) führt der Bankensektor zwar beim Gehalt mit durchschnittlich rund 63.000 Euro, leidet jedoch unter wahrgenommener Restrukturierung, Filialschließungen und einer bürokratischen Kultur. Monetäre Anreize genügen heutigen Fachkräften nicht, wenn Zukunftssicherheit und Innovationskultur fehlen.
Auf welcher Datenbasis beruhen die genannten Prozentwerte des Rankings?
Die Werte stammen aus dem Employer Attractiveness Ranking der Analysegesellschaft Caliber, die täglich repräsentative Stakeholder-Befragungen in der deutschen Bevölkerung durchführt. Die Prozentzahl spiegelt den Anteil der informierten Befragten wider, die das jeweilige Unternehmen als attraktiv betrachten.
Quellen
- https://www.groupcaliber.com/ranking/2026-germany-dax40-employer-attractiveness-ranking/
- https://www.pressebox.de/pressemitteilung/trendence-institut-gmbh/kununu-Gehaltscheck-2026-zeigt-Banken-Versicherungen-und-Energiebranche-zahlen-bundesweit-die-Spitzengehaelter/boxid/1231649
- https://www.agvbanken.de/presse-news/pressemeldungen/beschaeftigtenzahl-im-kreditgewerbe-leicht-gestiegen
- https://www.der-bank-blog.de/welche-unternehmen-im-wettbewerb-um-talente-punkten/studien/37704207/





