
Die BRANICKS Group AG hat nach einer akuten Gefahr einer Insolvenz durch eine Aktionärsblockade auf der außerordentlichen Hauptversammlung eine Einigung mit wesentlichen Gläubigern erzielt. Gleichzeitig haben Dr. Matthias Danne und Dr. Johannes Conradi ihre Mandate im Aufsichtsrat angetreten und damit die Handlungsfähigkeit des Kontrollgremiums wiederhergestellt. Die Vereinbarung ebnet den Weg für ein Sanierungskonzept, das bis spätestens 31. März 2027 umgesetzt werden soll.
Hintergrund des Hauptversammlungs-Streits um Beratungsverträge und LuxCo-Struktur
Am 9. Oktober 2026 fand eine außerordentliche Hauptversammlung statt, bei der vier Tagesordnungspunkte zur Abstimmung standen. Während drei Punkte die notwendige Mehrheit erreichten, blieb Tagesordnungspunkt 4, der die Vergabe von Beratungsverträgen an Gesellschaften der neu gewählten Aufsichtsräte (BLACKLAKE Management Partners GmbH und MDC Matthias Danne Consulting GmbH) vorsah, unverbindlich. Aktionäre verurteilten den Vorschlag wegen möglicher Interessenkonflikte.
“Die Aktionäre befürchteten einen Interessenkonflikt, da der Tagesordnungspunkt Beratungsverträge mit Unternehmen der selbst gewählten Aufsichtsräte beinhaltete.”
Unter Tagesordnungspunkt 1 wurde jedoch die Einführung einer doppelstöckigen LuxCo-Beteiligungsstruktur zur Gläubigerbesicherung mit einer Kapitalpräsenz von 55,19 % des vertretenen stimmberechtigten Grundkapitals gebilligt (EQS Group, 2026).
- Stimmrechtsanteil der LuxCo-Struktur: 55,19 % (2026)
- Genehmigte Tagesordnungspunkte: 3 von 4
Gesamtumfang der Restrukturierung und Liquiditätsbrücke
Das am 30. Juli 2026 veröffentlichte Sanierungskonzept basiert auf einem IDW-S6-Gutachten von FTI-Andersch. Es umfasst fällige Verbindlichkeiten von insgesamt 579,5 Millionen Euro, aufgeteilt in eine 400-Millionen-Euro-Anleihe und Schuldscheindarlehen über 179,5 Millionen Euro. Zur Sicherstellung der Liquidität wurde zusätzlich eine Überbrückungsfinanzierung von 95 Millionen Euro vereinbart.
- Sanierungsvolumen Verbindlichkeiten: 579,5 Mio. EUR
- Unternehmensanleihe (Tranche 2021/2026): 400 Mio. EUR
- Schuldscheindarlehen: 179,5 Mio. EUR
- Liquiditätsbrücke: 95 Mio. EUR
Die Finanzierungsstruktur stärkt die Position der BRANICKS Group gegenüber ihren Gläubigern und schafft Spielraum für die anstehende Umsetzung der Umstrukturierungsmaßnahmen.
Konkrete Besetzung und Führungsrollen im Aufsichtsrat
Nach Abschluss der Gläubigereinigung haben Dr. Matthias Danne den Aufsichtsratsvorsitz und Dr. Johannes Conradi den Stellvertreterposten übernommen. Die gerichtliche Bestellung und die Wahl auf der Hauptversammlung wurden mit einer Annahmeerklärung am 15. Oktober 2026 rechtswirksam bestätigt (EQS Group).
- Aufsichtsratsvorsitz: Dr. Matthias Danne
- Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitz: Dr. Johannes Conradi
- Gesamtzahl der Stimmrechte nach Kapitalmaßnahme: 83 593 723 Stück (2026)
Damit ist das Kontrollgremium wieder vollständig handlungsfähig, was für die Überwachung der Sanierungsmaßnahmen von zentraler Bedeutung ist.
Rechtliche Stabilität im Aufsichtsrat
Bereits zu Beginn des Oktober-Streits auf der Hauptversammlung kam es zu Spannungen: Aktionäre lehnten Beratungsverträge mit Gesellschaften der gewählten Aufsichtsräte, u. a. mit der BLACKLAKE Management Partners GmbH und der MDC Matthias Danne Consulting GmbH, ab (EQS Group, 2026). Erst der nun abgeschlossene Kompromiss brachte die Nominierung der beiden in den Aufsichtsrat zum Erfolg und beendete die Blockade.
Umsetzungsfristen und Anleihegläubiger-Abstimmung
Die finale Umsetzung des Sanierungskonzepts ist bis zum 31. Dezember 2026 geplant; bei Verzögerungen gilt der 31. März 2027 als letztmöglicher Termin. Die entscheidende Abstimmung der Gläubiger der 400-Millionen-Euro-Anleihe (2021/2026) findet vom 17. bis 19. Oktober 2026 statt. Ohne die Zustimmung der Mehrheit der Anleiheinhaber kann das Sanierungsmodell nicht rechtskräftig werden.
- Umsetzungsfrist: 31. Dezember 2026 (spätestens 31. März 2027)
- Gläubigerabstimmung: 17.-19. Oktober 2026
Risiken und Gegenmaßnahmen
- Abhängigkeit vom Gläubigervotum: Die Zustimmung der Anleihegläubiger ist zwingend erforderlich, damit das Sanierungsmodell wirksam wird.
- Hohe Verwässerungs- und Zinslasten: Die Ausgabe neuer Aktien und zusätzliche Finanzierungslinien belasten zukünftige Erträge und erhöhen den Druck auf Altaktionäre.
- Langer Umsetzungszeitraum bis 2027: Der Immobilienmarkt bleibt riskant; die Gesellschaft ist bis zum Abschluss der Maßnahmen im März 2027 besonders gefährdet.
Durch die Gläubigereinigung und die erneute Handlungsfähigkeit des Aufsichtsrats werden diese Risiken jedoch aktiv adressiert.
Schnellüberblick:
Warum lehnten die Aktionäre auf der Hauptversammlung Tagesordnungspunkt 4 ab?
Die Aktionäre befürchteten einen Interessenkonflikt, da der Tagesordnungspunkt Beratungsverträge mit Unternehmen der selbst gewählten Aufsichtsräte beinhaltete.
Welche Verbindlichkeiten umfasst das Gesamtsanierungskonzept?
Das Konzept deckt Verbindlichkeiten von insgesamt 579,5 Millionen Euro ab, verteilt auf eine 400-Millionen-Euro-Anleihe, Schuldscheindarlehen über 179,5 Millionen Euro und eine Liquiditätsbrücke von 95 Millionen Euro.
Welche Rolle spielt die Anleihegläubiger-Abstimmung vom 17. bis 19. Oktober 2026?
Die finale Zustimmung der Anleihegläubiger ist erforderlich, damit die umfassende Neuordnung und Laufzeitanpassung rechtswirksam festgelegt werden können.
Quellen
- https://www.eqs-news.com/news/adhoc/branicks-group-ag-einigung-mit-wesentlichen-glaeubigern-ueber-umsetzung-des-sanierungskonzepts-dr-danne-und-dr-conradi-nehmen-wahl-in-aufsichtsrat-an/2153123
- https://www.finance-magazin.de/finanzierung/restrukturierung/branicks-einigt-sich-mit-glaeubigern-auf-restrukturierungskonzept-175514/
- https://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/branicks-group-ag-ausserordentliche-hauptversammlung-stimmt-nicht-allen-tagesordnungspunkten-zu
- https://www.eqs-news.com/news/total-voting-rights/branicks-group-ag-veroeffentlichung-der-gesamtzahl-der-stimmrechte-nach-41-wphg-mit-dem-ziel-der-europaweiten-verbreitung/2150117
- https://www.finanztrends.de/branicks-group-aktie-glaeubiger-einigung-beseitigt-sanierungshuerden/





