
Ein von Reuters veröffentlichter Bericht hat das Angebot von BASF für die Evonik Industries AG von 22,15 Euro pro Aktie auf 24,00 Euro angehoben. Bereits am Freitag schloss die Evonik-Aktie bei 21,40 Euro, ein Plus von 3,4 %. Der Kursanstieg verdeutlicht, wie stark die Bewertung des Unternehmens von unbestätigten Übernahmegerüchten beeinflusst wird. Gleichzeitig bleibt das Geschäftspaket – von Arbeits- und Standortzusagen bis hin zu der entscheidenden Rolle der RAG-Stiftung – bislang nicht von den beteiligten Unternehmen bestätigt. Anleger stehen daher vor der Aufgabe, die Unsicherheit zu quantifizieren und potenzielle Szenarien abzuwägen.
Historische Entwicklung des BASF-Angebots und Bewertung
Im September 2026 unterbreitete BASF erstmals ein unverbindliches Kaufangebot in Höhe von 22,15 Euro pro Aktie. Evonik lehnte dieses Angebot ab. Anschließend erhöhte BASF das Gebot um 2,85 Euro, also um 12,86 %, auf 24,00 Euro pro Aktie. Dieser Betrag liegt etwa vier Prozent unter dem damaligen Marktwert von 22,99 Euro, was die Erwartung einer Prämie verringert. Die Erhöhung signalisiert ein deutliches Interesse von BASF, die Blockade der RAG-Stiftung zu überwinden und das Management von Evonik zu überzeugen.
- Erstes unverbindliches Angebot: 22,15 Euro (September 2026)
- Erhöhtes Angebot: 24,00 Euro (+2,85 Euro, +12,86 %)
- Marktkurs zum Zeitpunkt des ersten Angebots: 22,99 Euro
- Aktueller Schlusskurs nach Bericht: 21,40 Euro
Beschäftigungs- und Standortzusagen von BASF
In einer am 22. Oktober 2026 veröffentlichten Videobotschaft erklärte BASF-Vorstandschef Markus Kamieth, dass in den nächsten zehn Jahren keine strukturell bedingten Stellenabbauten an den deutschen Chemiestandorten erfolgen werden. Die Zusage gilt bis 2032 und stützt sich auf bestehende Tarifvereinbarungen, die weiterhin gelten und damit die Zustimmung von IG BCE und politischen Gremien erleichtern sollen.
“Wir werden in den nächsten zehn Jahren keinen strukturell bedingten Stellenabbau verfolgen”, sagte Kamieth in seiner Videoansprache.
- Garantiezeitraum: bis 2032
- Bestehende Tarifvereinbarungen bleiben gültig
- Ziel: Zustimmung von Arbeitnehmervertretungen und Politik sichern
Strategische Einflussnahme durch die RAG-Stiftung
Die RAG-Stiftung ist mit einem Anteil von 43,8 % der Evonik-Aktien der größte Einzelaktionär und hält damit eine Sperrminorität. Das Kuratorium, das 13 Mitglieder umfasst – darunter mehrere Minister und der Vorsitzende der IG BCE – prüft Angebote nicht ausschließlich nach finanziellen Aspekten, sondern berücksichtigt auch politische und soziale Kriterien. Das langfristige Ziel der Stiftung ist die Finanzierung bergbaulicher Lasten, was eine verlängerte Ausschüttungsplanung erfordert.
- Anteilsquote: 43,8 %
- Kuratoriumsmitglieder: 13, darunter Minister und IG BCE-Vorsitzender
- Eigentumszweck: Finanzierung von Bergbaulasten
Strategische Alternative: Evonik prüft Ashland-Übernahme
Parallel zum BASF-Deal prüft Evonik den Kauf des US-Spezialchemie-Anbieters Ashland. Der Unternehmenswert von Ashland wird mit ca. 4,3 Mrd. USD angegeben; ein möglicher Kaufpreis liegt im Prämienraum von rund 30 %. Die Prüfung wurde bereits seit mehreren Monaten durchgeführt und von den Beratungsfirmen Perella Weinberg Partners und JPMorgan unterstützt. Ein Abschluss würde das US-Geschäft von Evonik stärken, jedoch erhebliche Schulden verursachen und kurzfristig keine klaren Synergien liefern.
- Unternehmenswert Ashland: ca. 4,3 Mrd. USD
- Prämienrahmen: rund 30 %
- Prüfbeginn: mehrere Monate vor dem BASF-Vorstoß
Marktreaktion und Kursentwicklung nach dem Reuters-Bericht
Der Kurs der Evonik-Aktie stieg am Freitag um 3,4 % und erreichte 21,40 Euro. Der Anstieg spiegelt die sofortige Bewertungseffekte des berichteten Angebots wider, nicht jedoch die Garantierung einer Transaktion. In der Analyse wird betont, dass der Unterschied zwischen dem berichteten Angebotspreis und dem Schlusskurs nicht als gesicherte Ertragschance missverstanden werden darf.
“Der Kursanstieg von 3,4 Prozent auf 21,40 Euro spiegelt das Marktvolumen wider, nicht jedoch eine gesicherte Transaktionsentwicklung.” (APA, 2026)
Vor dem ersten BASF-Angebot bewegte sich die Evonik-Aktie bereits im Bereich von 22,50 Euro, was den Druck auf das Management erhöhte, die Situation zu klären. Bislang haben weder BASF noch Evonik eine offizielle Stellungnahme abgegeben, sodass die Marktteilnehmer weiterhin zwischen Spekulation und bestätigter Transaktion unterscheiden müssen.
Risiken und Gegenargumente
- Die RAG-Stiftung könnte ein Angebot trotz finanzieller Attraktivität ablehnen, weil langfristige Verantwortung und politische Vorgaben im Vordergrund stehen.
- Ein möglicher Ashland-Deal würde das Kapital von Evonik stark belasten, ohne sofortige Synergien zu erzeugen.
- Der Kursanstieg von 3,4 % ist kein sicherer Hinweis auf den Abschluss des Deals; Spekulationen können die Bewertung kurzfristig tunen.
Schnellüberblick:
Ist das BASF-Angebot rechtmäßig oder ein Vorstoß ohne formelle Grundlage?
Es handelt sich um einen Pressebericht, der nicht durch offizielle Unterlagen der beteiligten Unternehmen bestätigt wurde. Eine juristische Grundlage bestünde erst bei einer unterschriebenen Vertragsunterzeichnung.
Warum ist der Ashland-Deal eine echte Alternative?
Ashland bietet Synergien im US-Segment und ist aus strategischer Sicht ein langfristiges Wachstumsziel, das bereits seit mehreren Monaten geprüft wird.
Können BASF und Evonik wirklich fusionieren, ohne politische Zustimmung?
Nein. Die Zustimmung von Bund, Ländern, Gewerkschaften und insbesondere der RAG-Stiftung ist zwingend erforderlich. Ohne klare Unterstützung kann kein Deal realisiert werden.






