
Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihr gemeinsames Herbstgutachten veröffentlicht und damit die Konjunkturaussichten für die kommenden Jahre neu bewertet. Während für 2026 und 2027 ein leichtes Aufwärtsmomentum erwartet wird, zeichnet sich für 2028 ein nahezu stagnierendes Wachstum ab. Die Analyse der Institute verdeutlicht, dass strukturelle Schwächen und unklare Wirtschaftspolitik die Hauptursachen für das gedämpfte Wachstum sind.
Prognosen für 2026 und 2027: Leichte Aufwärtskorrektur
Im aktuellen Herbstgutachten wurde die Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das laufende Jahr auf 1,3 % angehoben. Für das darauffolgende Jahr 2027 liegt die erwartete Wachstumsrate bei 1,1 %. Diese Zahlen stellen eine Korrektur gegenüber den früheren Schätzungen von 0,6 % für 2026 und 0,9 % für 2027 dar, die im April noch von Ökonomen und Regierungsberatern angenommen wurden.
„Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten“, erklärte Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. Trotz der verbesserten Prognosen betont er, dass das Wachstum nicht besonders kräftig sei.
- 2026: 1,3 % BIP-Wachstum (nach oben korrigiert)
- 2027: 1,1 % BIP-Wachstum (nach oben korrigiert)
Erwartung für 2028: Miniwachstum von 0,4 %
Für das Jahr 2028 prognostizieren die Institute ein Wachstum von lediglich 0,4 %. Stefan Kooths vom Kieler Forschungsinstitut IfW beschreibt diese Entwicklung als „weiter schwinden der Wachstumskräfte“. Die schwache Perspektive wird vor allem auf strukturelle Probleme zurückgeführt, die ohne tiefgreifende Reformen kaum zu überwinden seien.
- 2028: 0,4 % BIP-Wachstum (Miniwachstum)
Strukturelle Ursachen und Reformbedarf
Die Institute identifizieren mehrere zentrale Faktoren, die das Wachstum bremsen:
- Hohe Energiepreise: Belastungen durch teure Energie wirken sich negativ auf Produktionskosten aus.
- Demografischer Wandel: Die Alterung der Gesellschaft reduziert langfristig das Potenzial für starkes Wirtschaftswachstum.
- Unklare Wirtschaftspolitik: Die Koalition aus Union und SPD wird kritisiert, weil sie Reformen nicht konsequent umsetze und dadurch Investoren verunsichere.
- Strukturprobleme im verarbeitenden Gewerbe: Trotz überraschend starker Wertschöpfung im ersten Halbjahr bleiben Unternehmensinvestitionen und privater Konsum schwach.
„Die Regierung dürfe nicht im Quartalsrhythmus Reformen beschließen und dann wieder aufschnüren“, warnt Kooths. Dieses Vorgehen führe zu Zurückhaltung bei Investoren und zu fehlenden Impulsen für private Investitionen.
Einfluss von Außenfaktoren: Weltkonjunktur und KI-Boom
Die Experten betonen, dass externe Impulse – insbesondere die robuste Weltkonjunktur und der globale KI-Boom – im ersten Halbjahr zu einem überraschend starken Anstieg der Exporte und der Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe beigetragen haben. Dennoch bleiben Unternehmensinvestitionen und der private Konsum hinter den Erwartungen zurück.
Risiken durch staatliche Defizite und Sonderschulden
Das staatliche Defizit nehme weiter zu, sodass ein wachsender Konsolidierungsbedarf aufstauche. Viele Ökonomen befürchten, dass die erhöhten Sonderschulden für Infrastruktur und Verteidigung lediglich ein konjunkturelles Strohfeuer erzeugen, wenn nachhaltige Reformen ausbleiben.
„Wir haben zwei Mega-Baustellen“, betont Holtemöller in Bezug auf die demografische Entwicklung und die teurere Energie. Ohne konsequente Maßnahmen dürfe sich die Lage kaum bessern.
Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse
- Leichte Aufwärtskorrektur für 2026 (1,3 %) und 2027 (1,1 %).
- Miniwachstum von 0,4 % für 2028.
- Strukturelle Schwächen: Energiepreise, Demografie, unsichere Wirtschaftspolitik.
- Externe Impulse (Weltkonjunktur, KI-Boom) können kurzfristig unterstützen, ersetzen jedoch keine langfristigen Reformen.
- Steigendes Staatsdefizit erhöht den Konsolidierungsdruck.
Schnellüberblick:
Welche Daten werden für die Recherche benötigt?
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Wie hoch ist das erwartete BIP-Wachstum für 2028?
Die Institute prognostizieren ein Wachstum von 0,4 % für das Jahr 2028.
Was sind die Hauptursachen für das schwache Wachstum?
Hohe Energiepreise, demografischer Wandel, unklare Wirtschaftspolitik und strukturelle Schwächen im verarbeitenden Gewerbe.
Welche externen Faktoren haben kurzfristig positive Impulse gesetzt?
Eine robuste Weltkonjunktur und der weltweite KI-Boom haben im ersten Halbjahr die Exporte und die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe gestärkt.







