
Der seit 2022 anhaltende Konflikt im Iran hat den deutschen Energiemarkt nachhaltig erschüttert. Durch die Schließung der Straße von Hormus und die damit verbundenen geopolitischen Spannungen steigen die Großhandelspreise für Erdgas stark an, was wiederum die Strompreise und die Lebenshaltungskosten der Verbraucher beeinflusst. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Fakten, erklärt die Mechanismen hinter den Preisentwicklungen und zeigt, welche Rolle erneuerbare Energien dabei spielen, die Preisentwicklung zu dämpfen.
Wie der Iran-Krieg die Gasgroßhandelspreise beeinflusst
Nach Angaben des Energieexperten Daniel Puschmann haben die Großhandelspreise für Gas in der Spitze bis zu 80 % über dem Vorkrisenniveau gelegen. Aktuell liegen sie etwa 30 % über dem Niveau vor dem Krieg. Die Preisexplosion resultiert aus gestörten Lieferungen und der hohen Volatilität, die der Konflikt um die Straße von Hormus mit sich bringt.
„Zunächst sehen wir vor allem im Großhandel, besonders beim Erdgas, eine deutliche Steigerung. In der Spitze lagen die Großhandelspreise für Gas zeitweise bis zu 80 % höher.“ – Daniel Puschmann
Obwohl Deutschland sein Gas größtenteils aus Norwegen, den Niederlanden, Belgien und in kleinerem Umfang aus den USA bezieht, wirkt sich der weltweite Preisanstieg indirekt auf den deutschen Markt aus.
Auswirkungen auf die Verbraucher: Strom- und Gaspreise für Neukunden
Die Preissteigerungen im Großhandel schlagen nicht sofort auf die Endverbraucher durch, da viele Haushalte langfristige Verträge haben. Für Neukunden zeigen sich jedoch bereits deutliche Effekte:
- Durchschnittlicher Neukundenpreis für Strom: 10 Cent/kWh (ca. 25 % höher als vor Kriegsbeginn).
- Neukundenstromtarife schwankten kürzlich zwischen 28 Cent/kWh und aktuell etwa 25 Cent/kWh.
- Gasverbraucherpreise werden verzögert angepasst, da 12- bis 24-Monatsverträge üblich sind.
Die Mechanik der sogenannten Merit-Order sorgt dafür, dass steigende Gaskraftwerkskosten den Strompreis nach oben treiben. Gleichzeitig wirken gesunkene Netzentgelte leicht preisdämpfend.
Rolle der erneuerbaren Energien bei der Preisdämpfung
Der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromproduktion ist seit 2022 um etwa 10 Prozentpunkte von 46 % auf 56 % im Jahr 2025 gestiegen. Dieser Ausbau reduziert die Notwendigkeit, teure Gaskraftwerke einzuschalten, und mildert damit den Einfluss steigender Gaspreise auf den Strompreis.
„Mehr Erneuerbare helfen, weil sie dafür sorgen, dass seltener Gaskraftwerke zugeschaltet werden müssen. Je weniger Gas im System gebraucht wird, desto schwächer schlägt ein höherer Gaspreis auf den Strompreis durch.“ – Daniel Puschmann
- Erneuerbarer Anteil 2025: 56 % der Gesamtstromproduktion (S2).
- Positive Wirkung: langfristige Preisstabilität im Stromsektor.
Langfristige Perspektiven und Risiken im deutschen Energiemarkt
Mehrere Faktoren bestimmen die zukünftige Entwicklung:
- Diversifikation der Gasquellen: Trotz breiterer Lieferbasis können externe Schocks wie der Iran-Krieg kurzfristige Preisspitzen nicht vollständig verhindern.
- Jahreszeitliche Schwankungen: Im Sommer sinkt die Nachfrage, doch steigende Preise für die Befüllung von Gasspeichern können die Kosten für das kommende Heizjahr erhöhen.
- Marktmechanik bleibt gleich: Die Merit-Order bestimmt weiterhin den Strompreis, wobei erneuerbare Energien die Abhängigkeit von Gas reduzieren.
Die aktuelle Marktanalyse (S1, 2026) weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit weiterer Preissteigerungen, insbesondere im Winter, hoch ist.
Schnellüberblick:
Wie schnell werden die gestiegenen Großhandelspreise an die Verbraucher weitergegeben?
Verbraucherpreise spiegeln oft nicht sofort die Großhandelspreise wider, da viele Haushalte langfristige Verträge haben.
Wie stark dämpft der wachsende Anteil erneuerbarer Energien die Strompreisentwicklung?
Der Anstieg des erneuerbaren Anteils von 46 % auf 56 % reduziert die Notwendigkeit, teure Gaskraftwerke zu nutzen, und mildert damit den Einfluss von Gaspreiserhöhungen auf den Strompreis.
Welche Maßnahmen können Verbraucher ergreifen, um sich vor steigenden Preisen zu schützen?
- Tarife vergleichen und bei attraktiven Neukundenangeboten wechseln.
- Langfristige Verträge prüfen, um Preissteigerungen zu antizipieren.
- Eigenen Energieverbrauch durch Energieeffizienz und ggf. Eigenstromerzeugung (z. B. Solar) reduzieren.





