
Der monatliche Themenrückblick des Bank Blogs fasst die drängendsten strategischen Baustellen deutscher Kreditinstitute zusammen: Wie generative und Agentische KI KYC- sowie Beratungsprozesse effizienter macht, wie Regionalbanken den rückläufigen Filialbestand durch digitale Kontaktpunkte kompensieren und welche regulatorischen Fristen bei der EUDI-Wallet und KI-Governance einzuhalten sind.
Operativer KI-Einsatz in Fachprozessen
Künstliche Intelligenz und agentische Systeme erzielen im operativen Bankbetrieb messbare Produktivitätsgewinne. Besonders die KYC-Prüfungen und die Baufinanzierungsberatung profitieren von automatisierten Analysen und vorbereitender Gesprächs-Intelligenz.
- Generative KI unterstützt die schnelle Aufbereitung von Kundendaten und reduziert manuelle Aufwandspunkte.
- Agentische KI-Systeme, wie der S-KIPilot der DZ BANK, entlasten Fachexperten und verkürzen Bearbeitungszeiten signifikant.
- Die Kombination aus Mensch und Maschine steigert die Qualität der Gesprächsvorbereitung und erhöht die Beratungsnähe.
“Regionalbanken müssen den Begriff der Kundennähe vom physischen Ort hin zu digitalen Momenten transformieren”, betont der Bank Blog. Dieser Anspruch wird durch die Effizienzgewinne von KI-Lösungen greifbarer.
Veränderte Filialdichte und digitale Kundennähe bei Regionalbanken
Der Strukturwandel im deutschen Filialnetz ist deutlich messbar. Laut Bundesbank-Statistik betrug die Gesamtzahl der Bankzweigstellen im Jahr 2024 noch 17.870. Im Sparkassensektor sank die Branchenzahl bis Ende 2024 auf 6.926 (Rückgang um 178 Filialen) und machte damit 38,8 % des Gesamtbestands aus. Im Genossenschaftssektor erreichte die Zahl 6.402 (Rückgang um 186 Filialen) – 35,8 % des Gesamtbestands.
Gleichzeitig zeigen Verbraucherbefragungen, dass für 87 % der Bundesbürger die Qualität einer funktionalen Banking-App wichtiger ist als die physische Filialpräsenz. Dieser Trend unterstreicht die Notwendigkeit, Kundennähe digital zu definieren.
- Ende 2024: 6.926 Sparkassen-Zweigstellen (-178 gegenüber Vorjahr, 38,8 % des Gesamtnetzes)
- Ende 2024: 6.402 Genossenschafts-Zweigstellen (-186, 35,8 % des Gesamtnetzes)
- 2026: 87 % der Bankkunden bevorzugen eine hochwertige Banking-App
Die Kombination aus geschrumpftem Filialnetz und hoher App-Bedeutung macht digitale Kontaktpunkte zum entscheidenden Faktor für den Erhalt von Kundenzugang.
Regulatorische Zeitachsen: EUDI-Wallet und Akzeptanzpflicht nach eIDAS 2.0
Die EU-Verordnung 2024/1183 (eIDAS 2.0) legt klare Fristen für die Einführung der Europäischen Digitalen Identitäts-Wallet (EUDI-Wallet) fest. Banken müssen die Wallet bis zum 24. Dezember 2027 verpflichtend für die starke Kundenauthentifizierung akzeptieren.
- 31. Dezember 2026: EU-Mitgliedstaaten müssen mindestens eine zertifizierte EUDI-Wallet bereitstellen (Art. 5a eIDAS 2.0).
- 24. Dezember 2027: Finanzinstitute müssen die Wallet für alle Vorgänge mit Pflicht zur starken Authentifizierung akzeptieren (Art. 5f Abs. 2 eIDAS 2.0).
Die Integration erfordert medienbruchfreie Anbindung an bestehende Kernbank- und KYC-Workflows – ein erheblicher Aufwand bei heterogenen IT-Architekturen.
Aufsichtsrechtlicher Rahmen für KI-Governance (EU AI Act & BaFin)
Ab Mai 2026 treten schrittweise Anforderungen der europäischen KI-Verordnung in Kraft. Die BaFin ist in Deutschland die zuständige Marktüberwachungsbehörde für KI-Systeme im Finanzsektor.
- Transparenz, Risikomanagement und Modell-Erklärbarkeit werden verpflichtend.
- Bei Verstößen können Bußgelder bis zu 35 Mio. EUR oder bis zu 7 % des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden (2024).
- Die BaFin überwacht regulierte Bank- und Versicherungsprozesse ab 2026.
Der Fokus liegt darauf, automatisierte Prüfprozesse transparent, diskriminierungsfrei und auditierbar zu halten – ein entscheidender Baustein für nachhaltige KI-Einführung.
Herausforderungen und Gegenstimmen
Während die Produktivität durch KI steigt, gibt es Spannungsfelder:
- Eine Bitkom-Erhebung zeigt, dass 49 % der Bundesbürger automatisierte Entscheidungsfindungen bei Finanzthemen grundsätzlich ablehnen – ein Risiko für Kundenbindung.
- Die Integration der EUDI-Wallet erfordert umfangreiche Anpassungen in Kernbanksystemen, was zu hohen Projektkosten führen kann.
Ein ausgewogenes Vorgehen, das sowohl regulatorische Vorgaben als auch Kundenvertrauen berücksichtigt, ist daher unerlässlich.
Schnellüberblick:
Ab wann müssen Banken die EUDI-Wallet für Kontoeröffnungen zwingend unterstützen?
Gemäß Art. 5f Abs. 2 der novellierten eIDAS-Verordnung (EU 2024/1183) müssen Kreditinstitute die EUDI-Wallet ab dem 24. Dezember 2027 als Identifizierungsmittel akzeptieren, sofern eine gesetzliche Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung besteht.
Welche Rolle spielt die BaFin beim Einsatz generativer und agentischer KI?
Die BaFin fungiert nach dem KI-Durchführungsgesetz als zuständige Marktüberwachungsbehörde für den Finanzsektor. Sie prüft Transparenz- und Diskriminierungsverbote sowie die Nachvollziehbarkeit und Governance von Algorithmen in Kernprozessen wie Bonitätsprüfung und Betrugserkennung.
Warum gewinnt Generative Engine Optimization (GEO) für Finanzinstitute an Relevanz?
Immer mehr Nutzer recherchieren Finanzprodukte über dialogbasierte KI-Modelle wie ChatGPT. Da diese Modelle primär autoritative Inhalte und strukturierte Daten der eigenen Webseiten zitieren, entscheidet GEO über die Sichtbarkeit der Bankangebote in KI-generierten Empfehlungen.
Quellen
- https://www.bundesbank.de/de/statistiken/banken-und-andere-finanzdienstleister/bankstellen/bankstellenberichte-und-bankstellenstatistiken-656372
- https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/KI-eigene-Finanzen-entscheiden-lassen
- https://www.kycnow.de/wissen/eidas-2-0-eudi-wallet-banken-kyc
- https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2026/fabj2607KIMarktueberwachung.html







