
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat ihr Amt zum 7. Februar vorzeitig beendet. Der Schritt beendet Spekulationen um ihre Zukunft, wirft jedoch Fragen zur Nachfolge auf – insbesondere, ob Deutschland erneut ein europäisches Spitzenamt erhalten kann.
Vorzeitiger Rücktritt von Christine Lagarde: Fakten
- Lagarde legt ihr Mandat ein halbes Jahr vor Ablauf der regulären achtjährigen Amtszeit nieder.
- Die Entscheidung wurde in einer kurzen Mitteilung der EZB mitgeteilt und den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, übermittelt.
- Der Rücktritt war laut Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding “keine Überraschung”, doch der Zeitpunkt “kam etwas überraschend”.
Auswirkungen auf die Geldpolitik der EZB
Nur wenige Stunden nach Lagardes Ankündigung traf die EZB eine Entscheidung zum Leitzins. Trotz noch hoher Inflation hielt die Notenbank den Einlagensatz konstant bei 2,50 %.
- Im Juni 2024 wurde der Leitzins erstmals seit fast drei Jahren angehoben.
- Eine weitere Erhöhung im Dezember wird erwartet, weil die Inflation von 3,8 % im Euroraum noch über dem Ziel von 2,0 % liegt.
- Die EZB sieht sich weiterhin mit den Folgen des Inflationsschocks 2021/22 und den Preissteigerungen durch den Irankrieg konfrontiert.
Mögliche Nachfolger – Wer könnte die EZB leiten?
Der vorzeitige Abtritt eröffnet die Möglichkeit, einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin zu benennen. Die Staats- und Regierungschefs der 21 Euro-Staaten entscheiden über die Nachfolge.
- Klaas Knot – ehemaliger niederländischer Zentralbankchef.
- Pablo Hernández de Cos – Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und favorisiert von EZB-Beobachtern.
- Joachim Nagel – Präsident der Deutschen Bundesbank, ebenfalls im Gespräch.
- Isabelle Schnabel – frühere EZB-Direktorin, deren Platz im Direktorium ebenfalls zu besetzen ist.
Deutschlands Position im Rennen um das EZB-Präsidium
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erklärte, Deutschland sei kurzfristig in der Lage, einen Nachfolger zu benennen. Im Gespräch war zudem Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, wobei unklar ist, ob er die Unterstützung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) genießt.
Deutschland besetzt bereits mehrere europäische Spitzenämter – mit Ursula von der Leyen an der Spitze der EU-Kommission und Claudia Buch in der EU-Bankenaufsicht. Ein weiterer Posten könnte das EZB-Direktorium betreffen, etwa der Marktchef-Posten oder der Chefvolkswirt-Posten.
Reaktionen aus Wirtschaft und Politik
“Dass Lagarde vorzeitig geht, ist keine Überraschung und ändert unseres Erachtens nichts an den Aussichten für die Geldpolitik der EZB oder an der Art und Weise, wie die EZB mit Risiken im Zusammenhang mit Frankreich umgeht”,
– Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg.
“Europa hat eine Notenbank, welche die Wirtschaft besser managt als andere”,
– Christian Schulz, Chefvolkswirt Allianz Global Investors, beim ETF-Forum der Deutschen Börse.
Weitere Frankfurter Bankenvolkswirte betonten, dass Lagarde die Reputation der EZB nach der Draghi-Ära wiederhergestellt habe.
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