
Die private Altersvorsorge steht vor einem grundlegenden Wandel. Union und SPD haben ein neues Fördermodell beschlossen, das ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Ziel ist, höhere Renditen durch Kapitalmarktfonds wie ETFs zu ermöglichen, gleichzeitig mehr Flexibilität zu schaffen und neue Zielgruppen – insbesondere Selbstständige – zu integrieren.
Warum das bisherige Riester-System an seine Grenzen stößt
Die klassische Riester-Rente beruhte auf einer 100-Prozent-Beitragsgarantie. Diese Vorgabe zwang Anbieter, das Geld überwiegend in niedrig verzinste Anlagen zu stecken, was die Renditechancen stark einschränkte. Zusätzlich belasteten hohe Abschluss- und Verwaltungskosten die Verträge. Ende 2024 existierten knapp unter 15 Millionen Riester-Verträge, wobei nach Schätzungen 20-25 % keine Einzahlungen mehr erhielten.
Aktuelle Zahlen zur Riester-Rente
- Anzahl aktiver Riester-Verträge 2022: 14,7 Millionen (Quelle S1)
- Rückgang der aktiven Verträge weist auf Reformbedarf hin (Hinweis aus INFO 1)
Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit einer Modernisierung des Altersvorsorgesystems.
Neue Modelle öffnen den Weg zum Kapitalmarkt
Die Reform führt drei Produktvarianten ein:
- Produkt mit 100 % Sicherheit (wie bisher)
- Produkt mit 80 % Sicherheit
- „Altersvorsorgedepot ohne Garantien“, das vollständig in Aktien- und ETF-Fonds investiert
Durch die letzte Variante können Sparer von Indizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 profitieren.
Renditechancen von ETFs im Vergleich zu traditionellen Anlagen
Historisch haben ETFs, insbesondere solche, die den MSCI World nachbilden, über längere Zeiträume deutlich höhere Renditen erzielt als klassische Anleihen. Der durchschnittliche Jahresertrag des MSCI World lag 2022 bei 8 % (Quelle S2), gemessen über einen Zehn-Jahres-Horizont.
- Durchschnittliche Rendite MSCI World 2022: 8 % (10-Jahres-Durchschnitt)
Diese Zahlen untermauern das Argument, dass eine stärkere Einbindung von ETFs in die Altersvorsorge langfristig höhere Erträge ermöglichen kann.
Wie die neue Grundzulage von 540 Euro funktioniert
Die staatliche Förderung wird deutlich ausgeweitet:
- Für Einzahlungen bis 360 Euro jährlich gibt es 0,50 Euro Zuschuss pro eingezahltem Euro.
- Für Beträge zwischen 360 Euro und 1.800 Euro jährlich gibt es 0,25 Euro Zuschuss pro Euro.
- Die maximale Grundzulage steigt auf 540 Euro pro Jahr.
- Eltern erhalten ab einer Sparrate von 25 Euro monatlich den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr.
Durch die gestaffelte Förderung profitieren besonders niedrige Sparraten – bereits bei 30 Euro monatlich wird ein hoher Förderanteil erreicht.
Kostendeckel und neue Zielgruppen
Ein zentraler Baustein der Reform ist ein Kostendeckel von einem Prozent der Effektivkosten. Ziel ist, Produkte günstiger und transparenter zu machen als klassische Versicherungen. Gleichzeitig wird der Zugang erweitert: Selbstständige können künftig ebenfalls gefördert werden. Der geschätzte Mehraufwand für die Einbeziehung von Selbstständigen beträgt rund 370 Millionen Euro, während höhere Zulagen weitere 15 Millionen Euro kosten.
Mehr Flexibilität bei Auszahlung und Wechsel
Im neuen System können Sparer bis zu 30 % ihres Kapitals sofort entnehmen, der Rest wird flexibel ausgezahlt. Bestehende Riester-Verträge bleiben geschützt und können in das neue Modell transferiert werden, ohne die erhaltenen Förderungen zurückzahlen zu müssen. Ein Wechsel ist zwar möglich, kann aber mit Kosten verbunden sein.
Marktrisiken von Kapitalmarktanlagen
Investitionen in Aktien und ETFs bergen höhere Risiken als die klassische Garantielösung. Für risikoaverse Anleger kann der Verzicht auf Sicherheit eine Herausforderung darstellen. Die Reform berücksichtigt diese Bedenken, indem sie neben dem garantiefreien Depot weiterhin Varianten mit 80 % bzw. 100 % Sicherheit anbietet.
Fazit
Die geplante Reform der Altersvorsorge in Deutschland kombiniert höhere Renditechancen, mehr Flexibilität und eine erweiterte Zielgruppe. Durch die Einführung einer höheren Grundzulage von 540 Euro, die gestaffelte Förderquote und die Möglichkeit, in renditestarke ETFs zu investieren, könnte das System viele ehemals inaktive Sparer zurückgewinnen. Gleichzeitig bleibt das Risiko von Kapitalmarktanlagen bestehen, weshalb die neuen garantierten Varianten weiterhin wichtig sind.
FAQ
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Bestehende Riester-Verträge sind geschützt und können in das neue System transferiert werden, ohne die Förderung zurückzahlen zu müssen.
Wie hoch ist die maximale Grundzulage?
Die maximale Grundzulage beträgt ab 2027 540 Euro pro Jahr.
Welche Zielgruppe wird neu gefördert?
Selbstständige werden künftig ebenfalls in die staatliche Förderung einbezogen.
Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite von ETFs?
Der MSCI World erzielte 2022 im Jahresdurchschnitt eine Rendite von 8 % (10-Jahres-Durchschnitt, Quelle S2).
Welche Risiken bestehen bei der ETF-basierten Altersvorsorge?
Kapitalmarktanlagen unterliegen Marktrisiken; Kursschwankungen können zu Verlusten führen, insbesondere für risikoaverse Anleger.






