
Das geplante Audi-Werk im US-Bundesstaat Georgia sorgt für intensive Diskussionen – nicht nur wegen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch wegen des umstrittenen Auftritts von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump. Während die Standortwahl und die zu erwartenden Zollsätze im Fokus der Finanz- und Aufsichtsratssitzung stehen, werfen Kritiker die Frage auf, ob das Verhalten des Vorstands mit den internen Richtlinien des Unternehmens vereinbar ist.
Hintergrund des geplanten Audi-Werks in Georgia
Donald Trump verkündete während einer Wahlkampfrede Audis Absicht, ein Fertigungswerk in Georgia zu errichten, bevor er Gernot Döllner auf die Bühne rief. Döllner dankte dem Präsidenten für die Unterstützung. Die genauen Bedingungen des Projekts bleiben jedoch unklar. Finanzchef Jürgen Rittersberger erklärte, die Entscheidung für Georgia sei durch mehrere Faktoren motiviert worden:
- ausgezeichnete Infrastruktur
- verfügbare Arbeitskräfte
- förderliche Rahmenbedingungen
“Es ist plausibel, dass größere Summen fließen”, kommentierte Rittersberger, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. Die Investition wird mit rund 4,2 Milliarden Dollar beziffert.
Finanzielle Rahmenbedingungen und Zollsätze
Die Diskussion um mögliche Zollerleichterungen ist ein zentrales Thema. Zwei Insider berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass für importierte Fahrzeuge ein effektiver Zollsatz von etwa zehn Prozent erwartet werde. Unklar bleibt, ob dieser Satz für sämtliche Importfahrzeuge gilt oder nur für solche aus Europa.
Ein weiterer Insider wies darauf hin, dass Audi eine Halbierung des derzeit geltenden 15 Prozent-Zolls auf 7,5 Prozent gefordert habe, die US-Regierung jedoch auf einem zweistelligen Satz bestehe. Eine Audi-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.
Nach Angaben des Handelsblatts liegen dem Volkswagen-Aufsichtsrat bislang keine verbindlichen Vertragsunterlagen vor; es gebe lediglich Absichtserklärungen zu den Zollerleichterungen im Gegenzug für die Investition.
Auswirkungen auf Aufsichtsrat und Unternehmensführung
Angesichts des umstrittenen Auftritts von Döllner bei Trump richtet sich Kritik, die bis zu Rücktrittsforderungen reicht. Die Regeln von Audi schließen Auftritte bei politischen Veranstaltungen dieser Art aus – ein Vorwurf, der seit dem Wochenende nicht nachlässt.
Döllner verteidigte sein Handeln mit den Worten: “Im Rahmen der Gespräche zum Werk in Georgia sei man gebeten worden, ‘unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen’. Er hat bereits am Wochenende klargemacht, dass man eine solche Einladung nicht ablehnen dürfe. Das gebiete allein der Respekt vor dem Amt.”
Der Aufsichtsrat der Volkswagen-Tochter Audi hat daraufhin eine außerplanmäßige Sitzung einberufen, um das Vorgehen des Vorstands zu prüfen und mögliche Konsequenzen zu diskutieren.
Audi’s aktuelle Quartalszahlen und Marktprognosen
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass Audi in die Reihe schlechter Ergebnisse deutscher Autobauer rutscht. In den ersten neun Monaten fiel der Umsatz um 6 Milliarden Euro auf 42 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn schrumpfte von 1,56 Milliarden Euro auf 1,15 Milliarden Euro, was einer Rendite von 2,7 Prozent entspricht – ein halber Prozentpunkt weniger als im Vorjahr.
Finanzchef Rittersberger betonte: “Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist groß und duldet keinen Aufschub.” Er verwies zudem auf das schwächere Ergebnis im dritten Quartal, das vor allem durch eine schwächere Performance in China, insbesondere im Verbrennersegment, bestimmt wurde.
Für das Gesamtjahr rechnet Audi nun mit einer Umsatzrendite von drei bis fünf Prozent bei Erlösen von 55 bis 59 Milliarden Euro – ein Rückgang gegenüber den ursprünglich im Juli prognostizierten fünf bis sieben Prozent und 58 bis 63 Milliarden Euro.
Rittersberger sieht jedoch Chancen: “Impulse erwarte ich unter anderem von den neuen SUV-Modellen Q7 und Q9 auf dem US-Markt. Die USA sind der zweitgrößte Premium-Automarkt der Welt, dieses Potenzial schöpfen wir im Moment nicht voll aus.”
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Welche Zollsätze gelten derzeit für Audis Importe aus Europa?
Derzeit liegt der Zollsatz für Einfuhren aus Europa bei 15 Prozent.
Wie hoch ist die erwartete Zollerleichterung für das Georgia-Projekt?
Insiderberichte sprechen von einer erwarteten Reduktion auf etwa zehn Prozent, während Audi eine Halbierung auf 7,5 Prozent beansprucht hat.
Welche finanziellen Ziele hat Audi für das laufende Jahr?
Audi plant eine Umsatzrendite von drei bis fünf Prozent bei Erlösen zwischen 55 und 59 Milliarden Euro.
Warum wird Döllners Auftritt mit Trump kritisiert?
Kritiker argumentieren, dass der Auftritt gegen Audis interne Regeln verstoße, die politisch exponierte Auftritte untersagen.




